Tim Focken

Mit neuer Strategie zur Punktlandung

Eine einzige Chance hatte Tim Focken, um vor seinem großen Auftritt bei den Paralympics in Tokio das so wichtige Wettkampfgefühl zu bekommen. Bei einem Wettkampf im serbischen Novi Sad Anfang Juli konnte er sich nach der pandemiebedingten Wettkampfpause zumindest einen Hauch Routine zurückerobern. „Ich habe dabei viel gelernt, vor allem, mich auf die Stressbelastung mental vorzubereiten“, sagt der 37-jährige Para Sportschütze vom SV Etzhorn/Team BEB. Nun ist es nicht so, dass Tim Focken das nicht schon vorher beherrscht hätte. „Aber bestimmte Mechanismen verlernt man mit der Zeit, wenn man nicht regelmäßig Wettkämpfe schießt.“ Dass er trotz Lockdowns und zeitweiligen Trainings ohne Trainer bei den Paralympics den 14. Platz erreichte, liegt wohl vor allem daran, dass er gelernt hat, mit Widrigkeiten umzugehen. Schließlich hat er in seinem Leben schon ganz andere Herausforderungen gemeistert. Vor allem seine schwere Verwundung und infolgedessen eine Oberarm-Plexuslähmung, die er bei einem Bundeswehreinsatz im Afghanistan-Krieg 2010 erlitten hat.

Mit seinem paralympischen Debüt ist Tim Focken absolut zufrieden. Zwar hat sein Ergebnis mit dem Freien Gewehr nicht ganz für das Finale der besten acht gereicht, aber mit seinen 619 Ringen hätte er es bei früheren Spielen locker in die Endrunde geschafft. „Meine Maßgabe waren 619/620 Ringe, das war also eine Punktlandung. Aber es wurde auf unglaublich hohem Niveau geschossen.“ Und so fällt es dem Sportschützen auch nicht schwer, seine nächsten sportlichen Ziele ins Visier zu nehmen. „Es muss einfach Paris sein. Alle möchten mit mir weitermachen, also werde ich noch eine Schippe drauflegen und mich mental noch besser aufstellen“, sagt er entschlossen. Vor allem hofft er darauf, in den kommenden zwei Jahren viel mehr Wettkämpfe zu schießen. Fest eingeplant sind 2022 die Europa-, die Weltmeisterschaften und möglichst viele Weltcups. Aber selbst, wenn es durch Corona wieder Absagen gibt – „ich werde mich darüber nicht ärgern, sondern einfach weitermachen und mich auf den jeweils nächsten Wettkampf konzentrieren“. Und dabei vor allem seine neue Strategie einsetzen, das Mantra, mit dem er sich sagt: „Ich bestimme mein Schicksal selbst.“

Heike Werner