Steffen Lehmker

Visionen im Visier

Konzentriert liegt Steffen Lehmker auf der Gummimatte, nimmt das Gewehr in den Anschlag, drückt ab und trifft. Fünf Mal werden die kleinen schwarzen Scheiben zu weißen, bevor er aufspringt, sich seinen Stock schnappt und auf den Ski die nächsten Kilometer in Angriff nimmt. Er liebt die Natur. So ist es nicht verwunderlich, dass er ausgerechnet im Ausdauersport seine sportliche Heimat gefunden hat. Schon immer fuhr er viel auf Inline Skates oder dem Skateboard, machte im Urlaub mit seinen Eltern Langlauf. Mit 13 Jahren begann er mit dem Lauftraining, mit 18 bewältigte er den ersten Marathon, mit 26 startete er das erste Mal beim Para Ski Nachwuchs-Weltcup, und mit 29 gewann er seine erste Medaille bei den Paralympischen Winterspielen in Pyeongchang. Die bronzefarbene Plakette erkämpfte er sich im Langlauf mit der 4 x 2,5-Kilometer-Mixed-Staffel. Im Biathlon lief er auf einen herausragenden fünften Platz. Ein Senkrechtstart, hatte der Athlet vom WSV Clausthal-Zellerfeld/Team BEB doch vier Jahre zuvor erst mit dem gezielten Ski- und Schießtraining begonnen. Sechsmal pro Woche trainiert der inzwischen 30-Jährige. Besonders wichtig sind neben den Ausdauer-Einheiten die Kräftigungsübungen für Rücken und Bauch. Aufgrund einer Plexuslähmung im rechten Arm – Nerven und Sehnen wurden durch Komplikationen bei der Geburt getrennt – kann Steffen Lehmker nur mit einem Stock skilaufen. Um das Gleichgewicht halten und gleichmäßig Druck auf die Ski ausüben zu können, muss er die Bewegungen mit einer kräftigen Rumpfmuskulatur ausgleichen.

Auf die Frage nach seinen sportlichen Zielen hat er keine eindeutige Antwort. „Natürlich wäre es schön, bei den nächsten Paralympics in Peking 2022 eine Einzelmedaille zu gewinnen. Aber nicht um jeden Preis.“ Viel wichtiger sei ihm die Freude am Sport. „Ich bin dadurch auch im Alltag leistungsfähiger und konzentrierter. Ich bin einfach zufriedener mit mir selbst“, erklärt er. „Natürlich bin ich zielstrebig und habe meine Visionen, aber für Erfolg spielen viele Faktoren eine Rolle.“

Heike Werner