Sabine Ellerbrock

Rollstuhltennis – eine Herzensangelegenheit

„Plopp“ macht es. Eine schnelle Drehung mit dem Sportrollstuhl, ein Richtungswechsel, dem konzentrierten Blick folgt ein kraftvoller Schlag. „Plopp“ macht es wieder, und der kleine gelbe Filzball zischt einmal mehr mit einem irren Tempo über das Netz. Ehrgeizig und hart schlägt Sabine Ellerbrock die Tennisbälle, kämpft um jeden Ball. Und darum, das Tempo hochzuhalten. „Beim Rollstuhltennis darf der Ball auf jeder Seite zweimal den Boden berühren. Aber ich versuche, das zu vermeiden, um den Druck auf die Gegnerin zu erhöhen“, erklärt die 43-Jährige vom DTV Hannover. Eine Strategie, die ihr schon zu vielen Erfolgen verholfen hat. Zuletzt gewann sie in einem spannenden Finale gegen ihre deutsche Gegnerin Katharina Krüger ihren vierten Titel bei den Belgian Open.

Schon als Kind griff Sabine Ellerbrock zum Tennisschläger. Später spielte sie in der Regionalliga, hatte in der Bundesliga Einsätze im Doppel. „Ich habe mir meine Erfolge erarbeitet“, erinnert sie sich. Überhaupt ist die Frau mit der blonden Kurzhaarfrisur eine Kämpfernatur. Weder ein Bandscheibenvorfall, noch die Amputation ihres rechten Fußes, die infolge eines komplexen regionalen Kompartmentsyndroms erforderlich wurde, haben ihr das Tennisspielen unmöglich gemacht. Und auch nicht der immense finanzielle Aufwand, den sie für ihren Sport betreibt.

Bis zu 40.000 Euro investiert sie in den Sport und refinanziert das fast ausschließlich durch ihre Erfolge. Mindestens das Halbfinale muss es in den Turnieren dafür sein. Zurzeit liegt sie auf Rang vier der Weltrangliste. Als einzige unter den Top-Spielerinnen geht sie zusätzlich einem Beruf nach, unterrichtet mit einer halben Stelle an einer Schule in Bielefeld Biologie und Sport.

Seit Oktober 2017 spielt sie zusätzlich zum Training daheim in Bielefeld dreimal pro Woche in der Tennis Base Hannover und findet hier herausragende Bedingungen vor. Die besten Voraussetzungen, um das nächste große Ziel in Angriff zu nehmen: die Paralympics 2020 in Tokio.

Heike Werner