Roland Kaiser

„Und dann kam eine blaue Wand auf mich zu“

Wenn Roland Kaiser zwischen den Pfosten steht, ist er voll in seinem Element. „Am meisten Spaß macht es mir, die Bälle zu fangen“, sagt er strahlend. Und weil der 38-jährige Fußballtorwart das auch besonders gut kann, hat er seiner Mannschaft der Hannoverschen Werkstätten zum ersten Mal zum Deutschen Meistertitel verholfen. In einem hochdramatischen Finale, in dem es nach der regulären Spielzeit 1 : 1 unentschieden stand, war es Roland Kaiser, der schließlich den entscheidenden Achtmeter-Schuss parierte. „In dem Moment habe ich gar nicht richtig mitbekommen, was eigentlich passiert ist“, erinnert er sich und ergänzt: „Ich habe nur noch eine blaue Wand auf mich zulaufen sehen.“ – Blau war die Trikotfarbe seiner jubelnden Mannschaft. Diesen größten nationalen Titel im Fußball für Menschen mit geistiger Behinderung gewonnen zu haben, ist für den großgewachsenen Keeper „der Gipfel meiner nationalen Karriere“. Zweimal pro Woche trainiert Roland Kaiser mit seinen Kollegen von den Hannoverschen Werkstätten und ist darüber hinaus ein wichtiges Mitglied in der niedersächsischen Landesauswahl. Zwei weitere Male ist er mit seinen Vereinskameraden bei Iraklis Hellas in Langenhagen auf dem Sportplatz. Allerdings ist die reguläre Spielzeit von zweimal 45 Minuten an Spieltagen für den Athleten mit einer Mehrfachbehinderung eine Herausforderung. „So lange kann ich mich nur schlecht konzentrieren.“ Beim Werkstätten-Fußball ist das nicht ganz so schwierig. „Da spielen wir zweimal 15 Minuten auf dem Kleinfeld. Das bekomme ich ganz gut hin.“ Als Kapitän der Werkstätten-Mannschaft kommt ihm eine ganz besondere Rolle zu. „Ich muss auf dem Platz für Ruhe sorgen und die Mannschaft wach halten.“ Er behält während des Spiels den Überblick. Unterstützung bekommt er von seinem Vize-Kapitän und durch das Vertrauen seiner Mitspieler. „Bei uns hört jeder auf jeden – wir sind ein super eingespieltes Team“, betont Roland Kaiser und formuliert große Ziele: „Ich möchte nächstes Jahr den DM-Titel verteidigen und bei den Special Olympics World Games 2023 in Berlin eine Medaille gewinnen – vor heimischem Publikum.“

Heike Werner