Phil Grolla

Wenn aus einem Traum ein Ziel wird

„Früher war es ein Traum, jetzt ist es ein Ziel“, sagt Phil Grolla. Was er meint, sind die Paralympics 2020 in Tokio, und diese neue Formulierung hat einen Grund. Der 19-jährige Para Leichtathlet vom VfL Wolfsburg/Team BEB hat den ersten ganz großen Schritt gen Japan geschafft, indem er im November bei den Weltmeisterschaften in Dubai über 100 Meter das Finale erreichte. Mit 11,11 Sekunden stellte er eine neue persönliche Bestzeit auf; der achte Platz in einem hochkarätigen Feld ist der Lohn für ein Jahr intensive Arbeit, der krönende Abschluss der Saison 2019. „Es ist ein großer Schritt, um bei den Erwachsenen Fuß zu fassen“, sagt der großgewachsene Athlet. Zuvor war er Juniorenweltmeister über 100 Meter und Junioren-Vizeweltmeister über 200 Meter geworden.

Begonnen hat Phil Grollas Leichtathletik-Karriere bereits im Alter von sechs Jahren, als ihn sein drei Jahre älterer Bruder zum ersten Mal mit zum Training nahm. Seitdem hat sich viel getan – der Sport ist quasi mit Phil Grolla mitgewachsen. Intensiveres Training folgte sowie eine spezielle Prothese, damit der Athlet, der ohne linken Unterarm zur Welt kam, aus dem Tiefstart loslaufen kann. Phil Grolla ist Sportler durch und durch. Ehrgeizig, zielstrebig und motiviert. Doch er ist auch ein Denker und Stratege, weiß genau, was er investieren muss, um erfolgreich zu sein. So hat er sich trotz seines großen Talentes im Diskuswerfen, in dem er auf internationalem Niveau Chancen auf vordere Platzierungen hätte, für eine Spezialisierung auf die Sprintstrecken entschieden, „weil Diskuswerfen in Tokio in meiner Startklasse nicht Teil des paralympischen Wettkampfprogramms ist.“ Und noch etwas hat der Sprinter fest im Blick: Bei den Europameisterschaften in Polen möchte er eine Medaille gewinnen. Sollte er es bis dahin schaffen, eine Zeit unter elf Sekunden zu laufen, stehen die Chancen auf Edelmetall sehr gut. Solange hilft nur eins: fokussiert und gesund bleiben. Denn im Alter von 19 Jahren hat Phil Grollas Sprint-Karriere womöglich gerade erst so richtig begonnen.

Heike Werner