Mariska Beijer

Kraft, Kopf und Kreativität

Die paralympische Goldmedaille hat ihren Platz in den Niederlanden. Doch den Ritterorden von Oranje-Nassau zeigt Mariska Beijer in ihrem WG-Zimmer in Hannover – stolz und fast ein bisschen ehrfürchtig. Das Jahr 2021 war ein äußerst aufregendes und unglaublich erfolgreiches für die 30-jährige Rollstuhlbasketballspielerin. Der Paralympicssieg mit der niederländischen Rollstuhlbasketball-Damenmannschaft stellt eine vorläufige Krönung ihrer sportlichen Karriere dar. Seit 20 Jahren ist die Niederländerin im Rollstuhlbasketball aktiv. Vor fünf Jahren startete sie ihre Profikarriere in Deutschland. Seit zwei Jahren trainiert und spielt sie für Hannover United in der 1. Bundesliga und kämpfte sich mit dem Team in der abgelaufenen Saison auf Rang vier. Doch der Erfolg kam für Mariska Beijer nicht sofort. „Ich musste lernen, nicht nur mit Kraft, sondern mehr mit dem Kopf zu spielen“, erklärt sie. Dabei kommen ihr ihre Kreativität und das strategische Denken zugute.

Wie so viele Menschen, die bereits in jungen Jahren durch einen Unfall oder von Geburt an eine Behinderung haben, ist auch Mariska Beijer eine echte Kämpfernatur. Bei ihr ist es aber nicht bei einem Unglück geblieben – das Schicksal schlug gleich dreimal zu. Als Kleinkind erkrankte sie an Nierenkrebs. Geschwächt durch die Chemotherapie brach sie sich bei einem Treppensturz das rechte Bein. Ein sogenanntes Kompartmentsyndrom entstand, zahlreiche Operationen waren die Folge und schließlich die Amputation des Fußes im Alter von sieben Jahren. 2002 führte ein Skiunfall dazu, dass das linke – das „gute“ – Bein Nervenschäden davontrug. Seitdem nutzt Mariska Beijer einen Rollstuhl. Was ihr in schwierigen Zeiten bisher immer geholfen hat, ist neben dem Sport auch der Kontakt zu Familie und Freunden, die Gemeinschaft und das Ziel, jeden Tag ein bisschen besser zu werden. „Das alles fügt sich wie in einem Puzzle zu einem Gesamtbild zusammen“, sagt sie. Ein enorm wichtiges Puzzleteil ist die Mannschaft von Hannover United. „Ich fühle mich in diesem Team zu Hause und bin mit meinem abwechslungsreichen Leben sehr glücklich“, betont die Spielerin, die neben den 16 Stunden Training pro Woche als Marketing-Beraterin für Non-Profit-Organisationen arbeitet.

Heike Werner