Jan Haller

„Ich möchte der beste Spieler sein, der ich sein kann“

Kraftvoll treibt Jan Haller seinen Sportrollstuhl über das Spielfeld. Hat er seine langen Arme eben noch in der Verteidigung eingesetzt, ist er nun schon wieder beinahe unter dem gegnerischen Korb angekommen. Es scheppert, als einer der Gegner versucht, sich ihm in den Weg zu stellen. Doch der 31-Jährige von Hannover United/Team BEB mit der Rückennummer 10 ist flink und befreit sich geschickt aus der Blockade. Seit Jan Haller zu Beginn des zweiten Viertels in die Partie gekommen ist, läuft es. Sein Team erzielt einen Korb nach dem anderen, holt den anfänglichen Rückstand schnell auf, und geht nach der Hälfte der Spielzeit mit drei Punkten in Führung. Am Ende siegt Hannover United mit 13 Punkten Vorsprung. Jan Hallers energische Verteidigung, sein Überblick und strategisches Talent helfen Hannover United seit eineinhalb Jahren dabei, sich in der 1. Rollstuhlbasketball-Bundesliga zu etablieren. Zudem hat Jan Haller der Deutschen Nationalmannschaft als Kapitän zur ersehnten Qualifikation bei den diesjährigen Paralympics in Tokio verholfen. Zwar wurde die Bronzemedaille bei den Europameisterschaften knapp verpasst. Doch am Ende überwog die Freude über die paralympische Perspektive.

2001 begann die sportliche Karriere des damals 13-Jährigen. Seit er Dirk Nowitzky zum ersten Mal live hat spielen sehen, gibt es für Jan Haller nur noch eins: Basketball – genauer gesagt, Rollstuhlbasketball. Denn der 31-Jährige nutzt wegen einer Fehlbildung der unteren Wirbelsäule sowohl im Alltag als auch beim Sport einen Rollstuhl. 2007 kam die Anfrage von der U22-Nationalmannschaft, 2011 wurde er Nationalspieler bei den Herren, 2017 folgte die Ernennung zum Kapitän. Jan Haller steckt viel Energie in jede Partie, ist auf dem Feld extrem präsent. Auf seiner Position als Guard ist er gewissermaßen der Spielmacher. Er ist oft in Ballbesitz und bringt ihn nach vorn zu den großgewachsenen Spielern, muss aber auch selbst in der Lage sein, den Abschluss zu erzielen. „Mein Job ist es, im Training und auch im Spiel immer alles zu geben. Ich möchte der beste Spieler sein, der ich sein kann.“

Heike Werner