Christoph Wilke

Ein mentaler Langstreckler

Mit kraftvollen Schüben treibt Christoph Wilke den Sportrollstuhl voran. Wendig und dynamisch rollt er im Slalom um die am Boden liegenden Tennisbälle. Schnell stehen dem 19-Jährigen die ersten Schweißperlen auf der Stirn. Jetzt noch die muskulösen Schultern dehnen, und los geht es mit dem Training. „Ich bin ein Arbeitstier“, sagt der junge Rollstuhltennisspieler über sich selbst und ergänzt: „Mein größtes Talent ist mein Wille und meine Zielstrebigkeit.“ Hinzukommt die Erkenntnis, dass Leistung aus vielen kleinen Schritten und auch Fehlern besteht. Um die Schritte so groß und die Fehlerquote so gering wie möglich zu gestalten, investiert Christoph Wilke wöchentlich zwölf bis 15 Stunden auf dem Tennisplatz und acht Stunden im Fitnessstudio. „Ich habe sehr hohe Erwartungen an mich selbst“, begründet er dieses Engagement. Doch das allein reicht nicht, um zu erklären, wie und warum der Spieler vom TC Meerbeck es unter die Top 20 der Junioren-Weltrangliste geschafft hat. „Ich bin sehr ehrgeizig und konsequent und versuche, mit aller Kraft meine Ziele zu erreichen“, erklärt Christoph Wilke. „Durch einen Workshop in Sportpsychologie habe ich gelernt, dass ich dafür ein mentaler Langstreckler sein muss.“ 

Die mentale Stärke scheint Christoph Wilke in die Wiege gelegt worden zu sein. Von Geburt an fehlt dem Stadthagener durch einen Gendefekt das linke Bein, im rechten hat er eine Spastik und eine Sehnenverkürzung. Zahlreiche Operationen musste er bereits als Säugling über sich ergehen lassen. Vom Sporttreiben hielt ihn das alles später aber nicht ab. Rollstuhlbasketball und Para Eishockey probierte er aus. Doch im Tennissport hat er sich schließlich am wohlsten gefühlt. Inzwischen hat sich der junge Rollstuhltennisspieler enorm entwickelt. Seine Ziele sind klar gesteckt: 2024 möchte er mit einer Platzierung unter den Top 50 in der Weltrangliste zu den Paralympics nach Paris, 2028 in Los Angeles als Top 20-Spieler um eine Medaille kämpfen. Mit seinen 19 Jahren bringt Christoph Wilke alles mit, um diese mentale Langstrecke zu bewältigen. Doch vor allem möchte er eins: „Mit meiner Geschichte anderen die Augen öffnen und zeigen, dass Menschen mit einer Behinderung alles leisten können.“

Heike Werner