Christiane Reppe

Ein Leben wie ein Fortsetzungsroman

Es scheint fast nichts zu geben, das Christiane Reppe aus der Ruhe bringt. Nicht einmal ein Fehler bei der Meldung für die Weltmeisterschaften im Para Radsport. Beinahe hätte die 30-jährige Handbikerin vom GC Nendorf in Südafrika nicht an den Start gehen können, weil ihr Name versehentlich nicht auf der Meldeliste stand. „Ich hatte in diesem Jahr so gut trainiert, wie noch nie“, erinnert sie sich. Vielleicht war auch das ein Grund, warum sie lange Zeit nicht realisierte, was da eigentlich passiert war. Dass sie dennoch mit in das Flugzeug nach Südafrika stieg, um ihr Team zu unterstützen, war ein Glücksfall sondergleichen. „Es ist Wahnsinn, wer alles versucht hat, mir doch noch einen Start zu ermöglichen. Am Montag vor dem ersten Rennen kam dann die Nachricht, dass ich durch eine Ausnahmeregelung nun doch starten darf.“ Nur ein Problem gab es zu diesem Zeitpunkt: Ihr Handbike stand in Deutschland. Kurzerhand baute ihr Vater das Sportgerät auseinander, verpackte alles nach telefonischer Anleitung und saß nur vier Stunden später mit der kompletten Rennausrüstung im Flugzeug nach Südafrika. Der Lohn: Doppel-Gold im Straßenrennen und im Zeitfahren.
Was Niederlagen und andere negative Erlebnisse meist mit sich bringen, trifft auch in diesem Fall zu: Christiane Reppe geht mental gestärkt daraus hervor. Einmal mehr ist der großgewachsenen ehemaligen Schwimmerin, der im Alter von fünf Jahren aufgrund einer Krebserkrankung das rechte Bein amputiert werden musste, bewusst geworden, wofür sie so hart arbeitet. „Die Paralympics in Tokio sind auf jeden Fall das nächste große Ziel. Und 2021 möchte ich gern den Ironman auf Hawaii finishen.“ Ein auf den ersten Blick gigantisches Vorhaben. Doch die 30-Jährige kann für dieses Projekt nicht nur auf ihre Fähigkeiten mit dem Handbike zurückgreifen, sondern auch auf ihre 13-jährige Schwimmkarriere. Und so wird dieses Projekt wohl nur eines von vielen weiteren spannenden Kapiteln im Leben von Christiane Reppe sein, das sich inzwischen wie ein höchst unterhaltsamer Fortsetzungsroman liest.

Heike Werner