Björn Schnake

„Freizeitsport ist nichts für mich“

Jeder Muskel ist angespannt, der Blick fixiert den kleinen weißen Kunststoffball auf der ausgestreckten Hand. Aber nur kurz verharrt Björn Schnake in dieser Haltung, schon befördert er das 2,7 Gramm leichte Sportgerät mit dem Schläger und höchster Präzision knapp über das Netz. Was dann folgt, ist ein regelrechtes Feuerwerk. Von Schlag zu Schlag erhöht der Para Tischtennisspieler vom TSV Thiede 1900/Team BEB das Tempo. Enormes Reaktionsvermögen steckt in jeder Bewegung. Zugleich verfolgt der 50-Jährige eine Taktik, um den Gegner aus dem Rhythmus zu bringen. „Bei gleichstarken Gegnern entscheidet zu 90 Prozent der Kopf, wer die Partie gewinnt“, sagt Björn Schnake. In erster Linie kämpfe man also gegen sich selbst bzw. darum, die Konzentration während des Ballwechsels und durch das gesamte Spiel hindurch aufrecht zu erhalten. Zuletzt ist das dem Hildesheimer bei den Paralympics in Tokio hervorragend gelungen. Im Team gewann er die Bronzemedaille.

Erst spät kam Björn Schnake zum Para Tischtennis. Zwar begann er bereits im Alter von sechs Jahren mit dem Tischtennisspielen, war aber ausschließlich im Sport der Menschen ohne Behinderungen aktiv. Mit 15 Jahren wurde er bereits in der 2. Bundesliga der Herren eingesetzt. Nachdem er bis zum Alter von 26 Jahren noch in der Oberliga spielte, veränderten sich jedoch die Prioritäten des Hildesheimers. Zehn Jahre lang nahmen Beruf und Familie seine Zeit in Anspruch. Als er aus Spaß wieder mit dem Tischtennisspielen anfing, schlug ihm der BSN-Landesfachwart Tischtennis Johannes Urban vor, im Para Sport aktiv zu werden. „Bis dahin habe ich mich trotz meiner Krankheit gar nicht im Para Sport gesehen“, sagt Björn Schnake. Die Krankheit, das ist eine Hypophosphatämie und eine Vitamin-D-resistente Rachitis. Heißt, der Körper des Athleten baut Osteophyten an, durch die die Gelenke verknöchern. So kehrte er also zum Leistungssport zurück und schaffte aufgrund seines Talents, seiner Spielerfahrung und zahlreicher Siege bei Meisterschaften und Weltranglistenturnieren innerhalb kürzester Zeit den Sprung zu den Paralympics. „Im Leistungssport habe ich mich früher schon immer sehr wohl gefühlt. Die Grenzerfahrung reizt mich. Reiner Freizeitsport ist nichts für mich“, begründet er seine Rückkehr. Und das erklärt auch sein nächstes Ziel: die Goldmedaille bei den Paralympics in Paris 2024.

Heike Werner