Bernd Jeffré

„Der Spaß ist mein innerer Motor“

„Wir haben die optimale Leistung unter katastrophalen Bedingungen gebracht“, sagt Bernd Jeffré vom GC Nendorf/Team BEB. Gemeint ist das Team Relay-Rennen bei den Paralympics in Tokio. Strömender Regen und eine extrem anspruchsvolle Strecke ca. 100 Kilometer vor den Toren der japanischen Hauptstadt ließen die Hoffnungen und Chancen auf Edelmetall im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fallen. Diese waren aufgrund der Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften wenige Monate zuvor durchaus realistisch. Das Team wurde achtbarer Vierter, im Einzelzeitfahren belegte Bernd Jeffré den achten Platz und ist zufrieden. „Insgesamt hat es sich gelohnt, dabei gewesen zu sein“, resümiert er. Und es hat ihm gezeigt, dass er mit seinen 57 Jahren noch mithalten kann – für Bernd Jeffré die größte Belohnung.

So ist der Handbiker auch nach nunmehr fast 20 Jahren im Para Radsport nach wie vor höchst motiviert. „Es macht immer noch Spaß, das ist mein innerer Motor. Außerdem tue ich etwas für meine Gesundheit und bin ein Vorbild für andere.“ Und das, obwohl die Ärzte ihm nach seinem Arbeitsunfall 2001 eine Lebensdauer von weiteren fünf Jahren prognostiziert hatten. Stattdessen fährt Bernd Jeffré heute rund 22.000 Trainingskilometer pro Jahr, absolviert Trainingslager auf Gran Canaria, mit der Nationalmannschaft auf Lanzarote und holt sich im Sommer die nötige Kraftausdauer in den Bergen. Zuletzt hat ihm durch die Corona-Pandemie zwar die Möglichkeit gefehlt, im Fitnessstudio gezielt an der Maximalkraft zu arbeiten, was er auch in Tokio gemerkt hat. Aber insgesamt ist er zuversichtlich, was seine weiteren Ziele angeht. „Mein Fernziel sind die Paralympics in Paris 2024. Aber ich schaue von Jahr zu Jahr. 2022 stehen im September die Weltmeisterschaften in Kanada an.“ Dort und in Paris hofft er darauf, dass die Rennen wieder vor einer begeisterten Zuschauermenge gefahren werden können. Und dass auch seine Frau mit dabei ist. Land und Leute konnten die Athlet*innen in Japan nicht kennen lernen, geschweige denn, Freunde und Familie als Unterstützung mitbringen. So bleibt neben dem Wunsch, wieder Anfeuerung an der Rennstrecke zu bekommen, auch das Ziel, die kuriosen Tokioter Spiele durch eine Pariser Paralympics-Medaille wieder wettzumachen. „Ich bin guter Dinge, dass das klappt!“

Heike Werner