Alexander Budde

Ein Spieler mit besonderen Aufgaben

Es ist 8 Uhr morgens. Halle 2 in der Akademie des Sports in Hannover. Rockige Rhythmen klingen aus einer Lautsprecherbox, während die schräggestellten Räder der Sportrollstühle lautlos über den Hallenboden rollen. Abstoppen, fokussieren, einmal durchatmen und „Schuss“. Ein ums andere Mal versenkt Alexander Budde den Ball in gut drei Metern Höhe im Korb. Später wird geblockt, dass es nur so scheppert. Zwei- bis dreimal pro Woche trainiert der Spieler von Hannover United/Team BEB im sogenannten Frühtraining, damit es nicht nur mit dem Klassenerhalt in der ersten Rollstuhlbasketball-Bundesliga klappt. Mit insgesamt neun Einheiten pro Woche und zahlreichen Lehrgängen hat es der 18-Jährige mit der U22-Nationalmannschaft zu seinem größten Erfolg, der Silbermedaille bei den Europameisterschaften, gebracht.

Alexander Buddes Leben ist fast vollkommen auf Rollstuhlbasketball ausgerichtet. 2012 hat der Sportler, der mit einem offenen Rücken (Spina bifida) zur Welt kam und auch im Alltag einen Rollstuhl nutzt, in einer Nachwuchsgruppe zum ersten Mal auf den Korb geworfen. 2016 zog er mit gerade einmal 15 Jahren von Seevetal bei Hamburg ins Lotto-Sportinternat nach Hannover. Sein Ehrgeiz, professionelles Training und großes Talent haben ihm inzwischen zu einer Reihe an Erfolgen verholfen. Die EM 2018 war erst sein zweites großes Turnier. Alexander Budde bringt Eigenschaften mit, die seiner Mannschaft Stärke verleihen. Seine körperlichen Voraussetzungen und die Geschwindigkeit, mit der er über das Spielfeld fegt, sind für seine Position als Center sehr vorteilhaft. Seine Ernennung zum Team-Kapitän hat er seiner diplomatischen Art, seiner Fähigkeit, die anderen Spieler zu motivieren, und seinem Kommunikationstalent zu verdanken. „Eigentlich bin ich aber ein Spieler wie jeder andere – nur eben einer mit besonderen Aufgaben“, sagt er bescheiden. Alexander Budde hat feste Ziele vor Augen. „Die U22 ist noch nicht das Ende. Die Herren-Nationalmannschaft ist auf jeden Fall der nächste Schritt. Und wenn es dann schon mit den Paralympics in Tokio klappt, wäre das für mich das Größte.“

Heike Werner