Alexander Bley

Mit „Runner's High“ zum Weltrekord

Nur Fliegen ist schöner! So ähnlich muss sich das 1.500-Meter-Rennen beim Leichtathletik-Meeting in Pfungstadt im August 2021 für Alexander Bley angefühlt haben. „Ich habe das erste Mal in meinem Leben das sogenannte ,Runner's High‘ erlebt“, erinnert sich der Mittelstreckler strahlend. Es lief einfach unfassbar gut – bis zum Schluss! Um drei Sekunden toppte er seine bisherige, vier Jahre alte Bestmarke auf 3:47,99 Minuten, was zugleich Weltrekord der Gehörlosen bedeutete. Die perfekte Ausgangsposition für die nur wenige Wochen später anstehenden Weltmeisterschaften, bei denen der 31-Jährige sowohl über 1.500 Meter als auch über 3.000 Meter Hindernis souverän Gehörlosen-Weltmeister wurde. Auch im längeren Rennen verbesserte er seine bisherige Bestzeit um elf Sekunden. „Ich habe alles auf meine Grundschnelligkeit gesetzt, auf den letzten 200 Metern alles gegeben und mit 50 Metern Vorsprung gewonnen“, erzählt er.

Doppelweltmeister, Weltrekord – die Belohnung für die Bewältigung einer durchwachsenen Zeit. Um neue Impulse zu setzen, wechselte Alexander Bley 2020 den Verein und erhält seitdem eine sehr individuelle Betreuung durch seinen neuen Trainer Ulrich „Ulli“ Merkert. Knowhow in Sachen Trainingsplanung kann er aus seinen eigenen Erfahrungen als Trainer B Lauf einbringen. Vollkommen neu ist, dass Alexander Bley das Grundlagentraining nun auch in Form alternativer Sportarten absolviert. Aquajogging und Rennrad fahren sind Teil des täglichen Trainings – beides schont die Gelenke. Denn der Leichtathlet muss auf sich achten. Nicht nur, weil er aufgrund einer Meningitis im Alter von 13 Monaten ertaubte und damals weltweit das jüngste Kind war, das ein Cochlear-Implantat (CI) bekam. Auch sein genetisch bedingtes Rheuma sorgte zeitweise dafür, dass er nicht kontinuierlich trainieren konnte. Doch insgesamt liegen die Entzündungswerte zurzeit auf einem niedrigen Niveau. So peilt Alexander Bley mutig neue Ziele an. „Die Deaflympics sollen nach zweimaliger Verschiebung nun im Mai 2022 in Caxias do Sul, Südbrasilien stattfinden. Dort eine Medaille zu gewinnen, ist mein Karriere- und mein Lebensziel“, sagt er mit fester Stimme.

Heike Werner