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Die Wahl 2003

Weltmeister aus dem Emsland ist BEHINDERTENSPORTLER DES JAHRES.

Hannover (hr).
Für Fredi Bobic und Michael Stich war es eine ungewohnte Rolle. Diesmal waren beide, der Fußball-Nationalspieler von Hannover 96 und der ehemalige Tennis-Wimbledonsieger, nicht die Stars des Abends. Und wohl noch nie haben Bobic und Stich diese Rolle so gern und bereitwillig abgetreten wie gestern Abend im hannoverschen “GOP“.
Der Mann, um den sich alles drehte, war Josef Giesen. Der 41-Jährige ist Paralympics-Sieger und Weltmeister im Biathlon und hat seine Titelsammlung gestern um eine besondere Auszeichnung erweitert: Giesen ist Niedersachsens Behindertensportler des Jahres.


49 471 Menschen hatten sich an der von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und NDR 1 Niedersachsen unterstützten Wahl beteiligt, eine Zahl, die Stich als “sensationell“ bezeichnete, Bobic beeindruckte und Heiner Rust, den Präsidenten des BSN, “mit großem Stolz“ erfüllte. “Bereits im vergangenen Jahr haben 39 000 Menschen mitgemacht. Dass diese Zahl noch einmal getoppt wurde, ist eine tolle Sache für den gesamten Behindertensport“, meinte Rust.
14 696 Fans gaben Giesen ihre Stimme, Platz 2 belegte der Nienburger Leichtathlet Reinhold Bötzel (8591) vor dem Wilhelmshavener Radfahrer Andreas Hillers (7937). Michael Stich, der als Olympiabotschafter die Gelegenheit nutzte, Werbung für die Sommerspiele 2012 in Hamburg zu machen, zollte Giesen großen Respekt. Für ihn, sagte Stich, seien aber auch die Platzierten und die anderen Kandidaten – der Fußballer Adolf Blum, der alpine Skiläufer Frank Pfortmüller und die Bogenschützin Tanja Schultz – echte Sieger. Stich lobte deren Trainingsfleiß, den unbedingten Willen zur sportlichen Höchstleistung und ihre positive Einstellung zum Sport.


Giesen kam gestern übrigens als frisch gebackener Weltmeister ins “GOP“. Bei den 7. Nordischen Ski-Titelkämpfen der Behinderten in Baiersbronn (Schwarzwald) hatte der Herzlaker über 12,5 Kilometer die besten Athleten aus aller Welt geschlagen. Bekannt gemacht hatte Giesen jedoch kein Sieg, sondern eine große Geste. Dem 41-Jährigen war bei den Paralympics 2002 in Salt Lake City die Goldmedaille zugesprochen worden, nachdem Teammitglied Thomas Oelsner zwei positive Dopingproben abgegeben hatte. Giesen, der wie die gesamte deutsche Mannschaft von Oelsners Unschuld überzeugt war, gab die Medaille jedoch kurzerhand an den eigentlichen Sieger zurück. Der contergangeschädigte Skijäger begnügte sich mit seinem 2. Platz und bereute seine Entscheidung auch nicht, als er die Silbermedaille – so wollten es die Veranstalter der Paralympics – wieder abgeben musste. “Ich habe die Medaille in meinem Herzen“, verriet Giesen gestern Abend den Moderatoren Werner Buss und Andreas Kuhnt. Nach den Rollstuhl-Basketballern Felix Heise (Springe-Völksen) und Jens Schürmann (Meppen) ist Giesen der dritte Behindertensportler des Jahres. Und der erste Wintersportler – und das als Emsländer. “Josef Giesen hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass Niedersachsen Wintersport-Hochburg ist“, sagte Udo Schulz vom BSN mit einem Augenzwinkern.
Ganz ohne sportlichen Einsatz kamen Michael Stich und Fredi Bobic übrigens doch nicht davon. Beide mussten zum Fußballtennis antreten und hatten dabei viel Spaß.

Fredi Bobic und Michael Stich gegen die contergangeschädigten deutschen Vizemeister Claude Villard und Bernd Wemmert

 

96-Klubchef Martin Kind, Gast im “GOP“, vernahm mit Zufriedenheit, dass Bobic die abendliche Trainingseinheit unverletzt überstand. Der Torjäger wird spätestens am Sonntag wieder gebraucht. Dann ist er im Bundesliga-Heimspiel von Hannover 96 gegen Hansa Rostock auch wieder uneingeschränkt der Hauptdarsteller.


Rekord bei BSN-Wahl
Die große Anzahl der eingesandten Stimmzettel, Zeitungsausschnitte, Faxe und E-Mails übertraf alle Erwartungen. Genau 49 471 Sportfans haben in diesem Jahr ihre Stimme für die Wahl zu Niedersachsens “Behindertensportler des Jahres“ abgegeben. Nach 39 000 Einsendungen im vergangenen Jahr eine weitere Bestmarke. Aus diesem riesigen Haufen der Stimmzettel aller Teilnehmer zog 96-Torjäger Fredi Bobic gestern im Courtyard Marriott Hotel am Maschsee die drei Hauptgewinner: Elke Buch aus Simmertal, Ansgar Korte aus Lingen und Traudel Seidel aus Bad Pyrmont können sich demnächst entweder über eine Kreta-Reise mit der TUI, einen Reisegutschein vom Hannover-Airport oder ein Sportfahrrad von Zweirad Krüger freuen. Die Reihenfolge der Gewinner wird jedoch erst am Donnerstag, 6. März, bekannt gegeben, wenn der Behinderten-Sportverband Niedersachsen (BSN) auf einer großen Gala im hannoverschen GOP seinen Sportler des Jahres kürt. Die sechs Kandidaten – Fußballer Adolf Blum, Leichtathlet Reinhold Bötzel, Biathlet Josef Giesen, Radfahrer Andreas Hillers, Skiläufer Frank Pfortmüller und Bogenschützin Tanja Schultz – sind von der HAZ und NDR 1 Niedersachsen in den vergangenen Wochen ausführlich vorgestellt worden. Und obwohl am Donnerstag nur einer gewinnen kann, macht die neue Rekord-Beteiligung an der Wahl alle Beteiligten zu Siegern. jum


Bobic und Stich begeistern als neues Traumpaar
Galaabend des BSN: Ein Sieger, zwei Stars, sechs große Sportler.
Von Heiko Rehberg
Hannover. Als am Ende des ungewöhnlichen Spiels Bilanz gezogen wurde, mussten aufgeführt werden: eine kaputte Deckenbeleuchtung im “GOP“, ein Ball, der auf einem Tisch gelandet war und eine kleine Beule in der Wanddekoration. Und ganz oben auf der Bilanzliste: ein neues Traumpaar. Fredi Bobic und Michael Stich. Der Fußballprofi von Hannover 96 und der ehemalige Tennis-Wimbledonsieger hatten bei der Sportgala des Behinderten-Sportverbandes Niedersachsen (BSN) einen tollen Auftritt: Sie gewannen – das war ziemlich unwichtig – ein Fußballtennis-Doppel gegen die contergangeschädigten deutschen Vizemeister Claude Villard und Bernd Wemmert. Und sie gewannen – sehr wichtig – die Sympathien der Gäste im “GOP“, weil sie die Stars eines wundervollen Abends waren. Stars, die Millionen aus dem Fernsehen kennen und die sich doch für ein paar Stunden klein machten für sechs Menschen, die keine Stars und doch ganz große Sportler sind: die Behindertensportler Tanja Schultz, Josef Giesen, Adolf Blum, Andreas Hillers, Frank Pfortmüller und Reinhold Bötzel. Bobic und Stich schlüpften auf der Bühne in Trainingsklamotten und gerieten beim Fußballtennis kräftig ins Schwitzen. Davor und danach kamen beide wie die anderen 300 Gäste aus Sport, Politik und Wirtschaft ins Staunen, weil es dem BSN gelungen war, die Wahl zum Behindertensportler des Jahres in der dritten Auflage zu perfektionieren, ohne der Veranstaltung die Authenzität und das Familiäre zu nehmen. Von den Sportfreunden, den Lesern der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und den Hörern von NDR 1 Niedersachsen war der Biathlet Josef Giesen vom VfL Herzlake zum Sportler des Jahres gewählt worden. Von 49 471 Teilnehmern stimmten fast 15 000 für den Skijäger, der “aus Herzlake das St. Moritz des Nordens“_(Moderator Andreas Kuhnt) gemacht hat. Doch am Abend im “GOP“, als alle sechs Kandidaten noch einmal auf die Bühne durften, wurde klar: Im Grunde gab es sechs Sieger. “Ich freue mich riesig“, sagte Giesen, “aber jeder der anderen hätte es auch verdient gehabt.“  Heiner Rust, der Präsident des BSN, sprach von einem “tollen Tag für den Behindertensport“. Doch wer Sportler wie Giesen hat, der mit dem Gewehr im Kuhstall seiner Schwester übt, oder den Radfahrer Andreas Hillers (Wilhelmshaven), der muss sich um die Zukunft des Behindertensports ohnehin keine Gedanken machen. Hillers konstruiert viele Details seiner Dreiräder selbst. Als Moderator Andreas Kuhnt wissen wollte, auf was es bei einem Rad denn so ankomme, antwortete Hillers trocken: “Auf die Beine.“

 

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